Niddaer Heimatmuseum e.V.


MUSEUMS  - INFO

Veröffentlichungen:
Der Träger des Museums publiziert in unregelmäßiger Folge die
NIDDAER GESCHICHTSBLÄTTER
Bisher 10 Bde,
zuletzt Dezember 2006,
sowie Informationen zu Sonderausstellungen, besonderen Veranstaltungen sowie 
Handreichungen für den Museumsbesucher.

Anschrift: Raun 1   63667 Nidda
Museumsleiter Tel. 06043 / 4139 Museum 06043 / 1850
Museum-Nidda@t-online.de
Träger:  Niddaer Heimatmuseum e.V.
Leiter:    Reinhard Pfnorr
Öffnungszeiten:
Di. und Do.  15 - 17 Uhr
So. 10 - 12 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Eintritt frei


Museum und Verein

Im März des Jahres 1983 wurde in Nidda der Verein
NIDDAER HEIMATMUSEUM e.V. gegründet,
um den schon seit Jahrzehnten bestehenden Wunsch nach einer solchen Einrichtung in die Realität umzusetzen. Bereits nach zehn Monaten intensiver Vorbereitungsarbeit konnte man sich der Öffentlichkeit mit einer ersten Präsentation in einigen Räumen des Gebäudes vorstellen. - Heute umfasst das Raumangebot für die ständige Ausstellung neben einem großen Raum für Vorträge und Sonderausstellungen, Büro- und Magazinräumen immerhin rund 500 qm. Nach über 25 jähriger Aufbauzeit ist das Museum damit vorerst an das Ende seiner räumlichen Möglichkeiten gekommen. Gegenwärtig werden aber im Nebenhaus (Rathaus von 1811) drei weitere Ausstellungsräume vorbereitet. Der Übergang dahin erfolgt im 2.OG.

Betritt der Besucher das stattliche Haus in unmittelbarer Nähe des Niddaer Marktplatzes, so fällt sein Augenmerk geradeaus sofort auf eines der SchmuckstückeDruckerei, die das mit sehr viel Liebe und Individualität eingerichtete Haus birgt: die alte Cloos'sche Akzidenzdruckerei. Sie ist zweifelsohne ein Höhepunkt der umfangreichen handwerklichen Präsentation des Museums. Eine solch (fast) komplette Druckerei findet man sonst weit und breit in keinem Museum unserer Region.

Diese kleine Druckerei hatte einst bedeutenden Anteil an der Entwicklung der ehemaligen Kreisstadt Nidda, an ihrer Kultur, an ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Hier wurden amtliche Plakate gedruckt, heimatkundliche Schriften herausgegeben und vor allem das erste "Kreisblatt", die lokale Zeitung, verlegt.
Das Museum zeigt in seiner Ausstellung Maschinen und Einrichtungsgegenstände als Reste der einstigen 1842 von Friedrich Cloos in Nidda gegründeten Druckerei Cloos, mühevoll restauriert und anschaulich präsentiert. Ab dem 1. Januar 1843 erschien das "Kreisblatt, eine Wochenschrift für Öffentlichkeit und Gemeinwohl, zunächst im Kreise Nidda", ihm war das "Amts-Blatt des Großherzogl. Hess. Kreisrathes" beigefügt. In wenigen Jahren wuchs die Bedeutung dieses Blattes und nach 1848, als die Kreise Nidda, Büdingen und Schotten zu dem Regierungsbezirk Nidda verschmolzen wurden, hieß die Zeitung Intelligenzblatt. In der Folgezeit wurden auch politische Nachrichten gedruckt, die dann amtliche Bekanntmachungen und Anordnungen, Geschäftsanzeigen, erbauliche und belehrende Artikel ergänzten. Der Zeitungstitel änderte sich mehrfach: aus dem Niddaer Anzeigenblatt (ab 1874) wurde um die Jahrhundertwende bis zum Jahr 1957 der Niddaer Anzeiger mit dem Ableger Echzeller Anzeiger. Wie es das Schicksal inzwischen vieler hessischer Kreisblätter war, wurde auch dieses von  einem größeren Verlag übernommen, 1956 erwarb der Brühl'sche Verlag in Giessen die Rechte der 152 Jahre bestehenden Traditionsdruckerei.

Damit bestätigt die Ausstellung, dass wie so vieles keinen Bestand hat, auch nicht die Technik des Buchdrucks. In der Ausstellung erinnert vor allem die große Kniehebel-Druckpresse der Firma Henschel von 1843, eine  direkte Weiterentwicklung der Gutenbergpresse, an diese Zeit der beweglichen Lettern, die 1440 von dem Mainzer Johannes Gutenberg erfunden wurden (Mainzer Fragment 1445/46). Die Typograph-Setzmaschine zum direkten Zeilenabguss aus der Zeit des ersten Weltkriegs und weitere Maschinen veranschaulichen die zahlreichen Arbeitsgänge zur Herstellung von Druckstöcken und ihr Einschmelzen, wenn sie nicht mehr gebraucht wurden. Die Setzkästen bergen die benutzten Schriften, bestehend aus einzelnen Bleilettern, sorgsam nach System in den Gefächern verteilt. Die wichtigsten Schriften der einstigen Druckerei von den klassischen Antiqua-Schriften bis zu den moderneren Groteskschriften werden im Heimatmuseum aufbewahrt. Auch einige Frakturschriften, die heute kaum noch jemand fließend lesen kann, sind in den Vitrinen ausgestellt und neben wichtigen Kleingeräten aus dem Druckgewerbe zu betrachten.

Überhaupt ist Handwerk reichhaltig vertreten in der ständigen Ausstellung des Museums, womit man dokumentieren will, dass Handwerk in der fast 1200-jährigen Stadtgeschichte eine lange Tradition hat. Nach Gründung der Stadt und im Schutze ihrer Ummauerung haben sich eine Reihe von Handwerkszweigen ausgebildet, die hier nunmehr in Auswahl präsentiert werden. Im Jahre 1631 wird in den Stadtaufzeichnungen erstmals etwas über die Handwerkszünfte in Nidda erwähnt. Jedoch gibt es heute leider von etlichen Handwerken kein oder nur noch wenig Zeugnis. Von dem bis nach dem 1. Weltkrieg in Nidda ansässigen Gerber- und Färberhandwerk gibt es nur die Gerbergasse als Namensrest, die Druckmusterplatten und die Druckmusterdecke der ehemaligen Färberei Ruppel in der Ausstellung im Museum sind ein letzter Hinweis darauf. Auch das Töpferhandwerk, früher vor allem in Kohden und Unter-Schmitten angesiedelt, ist inzwischen ausgestorben. Eine kleine Töpferstube zeigt die charakteristischen Gefäße und Formen. Im zweiten Obergeschoss sind weitere Handwerksberufe in einem großen Ausstellungsraum dokumentiert: so der Schmied und Schlosser, der Schuster, der Sattler in einer überaus interessanten Kombination mit der Kummetholzherstellung, die als Spezialhandwerk in Ober-Lais ansässig war. Weiter sind fast alleHolz ver- und bearbeitenden Berufe mit ihrem wichtigsten Handwerkszeug zu sehen.

Aus im Stadtarchiv vorhandenen Urkunden erfährt man leider nichts über die Zunftmeister, die Geschworenen, eine Zunftlade, Zunftfahnen oder Zunftschilder, auch gibt es keine Zunftordnungen. Somit gestaltet sich die Dokumentationsmöglichkeit für Nidda etwas schwierig. Es bleibt zunächst nur die Beschränkung auf die rein handwerkliche Seite in Exponaten, Bildern und Texten. Trotzdem ist eine Ausstellung entstanden, die ihre Wirkung nicht verfehlen sollte und die vor allem auch der jüngeren Generation Informationen liefert über heute so nicht mehr ausgeführte Tätigkeiten und auch die Bedingungen, unter denen sie ausgeführt wurden. Die meisten der hier ausgestellten Handwerke haben in enger Zusammenarbeit zur Versorgung der Bevölkerung mit Gütern des täglichen Bedarfes beigetragen. Dass dazu der Wandel gehört, kann die Ausstellung dokumentieren und ein klein wenig zur Bewusstseinsbildung und Traditionspflege auf diesem Sektor beitragen.

Über diese inzwischen zu einer sehr umfangreichen Sammlung angewachsenen Schau hinaus findet der interessierte Betrachter noch eine Fülle von Exponaten zu anderen Themenbereichen. Gleich im Erdgeschoss wurde eine Gaststube des vorigen Jahrhunderts nachempfunden, die auch an die Geschichte des Hauses erinnert, das über die Zeiten hinweg zahllose mehr oder weniger prominente Gäste beherbergte. Auch dem Großherzog wurde einst hier ein karges Süppchen gereicht. Um den Niddaer Marktplatz herum gab es bis zu neun Gastwirtschaften, die den Ruf der Niddaer Märkte und ihre feierfreudigen Bevölkerung, deshalb in der Tradition des Marktfrühstücks auch die 'Froistecker' genannt, in der Region begründeten. Neben der Erinnerung an die ehemaligen Niddaer Brauereien 'Gambrinus' und 'Bürger-Bräu' zeigt eine seltene Sammlung von Wirtsgläsern seit der Mitte des 19. Jh. ebenso wie die im heimischen Raume gebräuchliche Apfelkelterei, dass das 'Stöffche' nicht nur in Frankfurt am Main zu Hause ist.

Exponate zur Stadt- und Siedlungsgeschichte setzen den Rahmen von der Steinzeit bis heute. Vor allem die Präsentation des sogenannten 'Borsdorfer Henkels' aus dem 5. Jh. v. Chr. gewinnt angesichts der jüngsten Funde am nahegelegenen Glauberg aus der Keltenzeit und im Vorfeld dieses Fürstensitzes ganz besondere Bedeutung. Ein kleines anschauliches Modell einer steinzeitlichen Siedlung sowie einige Steinwerkzeuge runden diesen Themenkomplex ab.

Auch im dritten Stock des alten Fachwerkbaus findet der interessierte Besucher noch genügend fesselnde Besonderheiten, so ein Modell der 'Wasser- und Stangenkunst' des Wilhelm Langsdorff, die im 18. und 19. Jh. zur Förderung der Sole und damit der Salzgewinnung in Salzhausen diente und ein bedeutsames Technikdenkmal dieser Zeit darstellt.

Der restaurierte Altstädter Brunnen, die Egerlandstube in Erinnerung an Hunderte von der Vertreibung betroffene Menschen, die hier nach dem 2. Weltkrieg eine neue Heimat fanden, die Präsentation 'Vom Flachs zum Leinen' (Webstuhl aus dem frühen 18. Jh.) sowie bäuerliche und hauswirtschaftliche Gerätschaften ergänzen die Sammlungen.

 

Im Sakralraum findet man einen sehr hübschen Flügelaltar aus der Zeit der ersten kath. Diasporakirche, Abendmahlsgeschirr, das der evangelischen Kirchengemeinde von der Familie  Krug von Nidda, jener für Nidda bedeutenden Amtmannsfamilie seit dem 16. Jh., gestiftet wurde. In diese Zeit fällt auch die Geschichte der beiden im Stuckzimmer im Portrait gezeigten Vater und Sohn Johannes Pistorius Niddanus.

Die beiden berühmten Söhne der Stadt haben jeder auf seine Weise Reformationsgeschichte geschrieben wie anschaulich in den Niddaer Geschichtsblättern nachzulesen ist.       

- Ein Teil des Sakralraumes ist den jüdischen Mitbürgern Niddas gewidmet, die nach 1933 vertrieben wurden und vielfach im Holocaust ihr Leben endeten.

In jährlich 3 - 5 Sonderausstellungen zu verschiedensten Themenbereichen haben die durchweg ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins seit Eröffnung des Museums versucht, über die ständigen Präsentationen hinaus für Besucher aus der ganzen Region ein abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm zu bieten, das das Haus mit Leben füllt.
Auch gar mancher Kurgast aus dem Ortsteil Bad Salzhausen zeigte sich überrascht über diese inzwischen aus der Stadt nicht mehr wegzudenkende kulturelle Einrichtung. Diese positiven Reaktionen von Besuchern aus Nah und Fern festigen bei dem Verein die Absicht auch mit Unterstützung der Stadt die Arbeit weiter fortzusetzen.

 

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