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Niddaer Heimatmuseum e.V.


Stadt-Info

Details zur Geschichte, Stadt und Region Nidda

Nidda wurde erstmals zur Amtszeit des Abtes Ratgar zu Fulda 802 – 817 im Wetterau-Cartular Nr. 176 erwähnt. Eine Schenkungsurkunde des Grafen Berthold von Nidda von 1187 an die Johanniter belegt, dass Nidda als Siedlung bestand. 1234 wird Nidda erstmals als Stadt erwähnt, 1311 das Stadtprivileg bestätigt. Die ursprüngliche Altstadt Niddas wurde 1269 – 1335 ebenfalls erwähnt, allerdings lag sie wohl zu dieser Zeit rechts des Flusses um die damals noch vorhandene Klosteranlage der Johanniter. Das spätere Nidda hatte seinen Stadtkern um den Marktplatz und vor dem Schloss.

Die Regierungszeit der Grafen von Nidda, Bertold I. und II., begann 1104 und endete um 1200. Die Nachfolge traten die Grafen von Ziegenhain an, welche die Stadtprivilegien 1311 bestätigten.

Ab 1450 kam Nidda durch Erbschaft an die Landgrafen von Hessen, seit 1567 gehört die Stadt zu Hessen – Marburg, ab 1604 zu Hessen – Darmstadt. In diese Zeit fiel eine rege Bautätigkeit, von der bis heute noch viele Kulturdenkmäler zeugen wie z. B. das umgebaute Schloss, die ev. Saalkirche, das heutige Heimatmuseum sowie etliche Ackerbürgerhäuser und Hofreiten, die das Stadtbild prägen.

Zur Verwaltung setzten die Landgrafen Amtmänner ein, die sich zum Teil um das Wohl der Stadt sehr verdient machten, so z. B. Roland Krug zu Nidda, der 1593 die Lehensrechte an den Salzquellen in Bad Salzhausen von den Landgrafen erhielt. Er führte dort das Gradieren durch Strohleckwerke (später Dorngradierwerke) ein, um durch Konzentrieren der Sole die Effektivität der Salzgewinnung zu steigern. Diese Lehensrechte wurden erst nach fünf Generationen 1729 abgelöst. Die Krug´sche Gasse, ein Gedenkstein im Kurpark von Bad Salzhausen und das Portal des leider vor einigen Jahren abgerissenen Krug´schen Hauses am Marktplatz erinnern im Stadtbild an ihn.

Ein weiteres wichtiges Datum in der Stadtgeschichte ist das Jahr 1526. Dr. Johannes Pistorius d. Ä. (3.1.? 1502 – 25.1.1583), ehemals Johanniterbruder, Freund und Weggefährte Philipp Melanchthons, Vertrauter Philipps des Großmütigen, des Landgrafen von Hessen – Marburg, führte in dessen Auftrag in Nidda die Reformation ein. Dr. Johannes Pistorius d. Ä. war an allen wichtigen Religionsgesprächen dabei, z. B. auf dem Reichstag 1530 in Augsburg. Er ist Mitverfasser der „confessio augustana“ (siehe Niddaer Geschichtsblätter Band II 1994, Hrsg. Verein Niddaer Heimatmuseum) und wurde erster Superintendent der Diözese Alsfeld. Sein Handeln war immer geprägt von tiefem Glauben und Humanismus. Als Ergebnis des regelmäßigen Besuchs der damals bereits bestehenden Frankfurter Buchmesse befand sich im Niddaer Pfarrhaus eine der umfangreichsten Bibliotheken seiner Zeit. Dr. Pistorius d. Ä. war als erster evangelischer Pfarrer und Superintendent verheiratet und hatte eine große Familie. Durch tragische Umstände verstarben seine Frau und alle seine Kinder bis auf Johannes Pistorius Niddanus d. J.. (* 4.2.1546 in Nidda – † 19.6.1608 in Freiburg) . Dr. Johannes Pistorius Niddanus d. J. darf getrost als ein Universalgenie seiner Zeit gelten. Er beherrschte im Alter von 11 Jahren bereits fließend Latein und Griechisch und studierte nach seiner Niddaer Schulzeit an den Universitäten Marburg Jura, in Wittenberg und Tübingen Medizin. Ferner studierte er in Padua und wohl auch Paris. Später nahm er noch das Studium der Geschichte auf, schrieb die ersten Historiographien Deutschlands, Belgiens, Polens und Spaniens. Im 16. Jahrhundert gab es wohl wenige Historiker vom Format eines Johannes Pistorius. Seine Werke wurden bis ins 18. Jahrhundert noch als wissenschaftliche Standardwerke benutzt; sein Bericht einer Arsenikvergiftung hat bis heute Gültigkeit in der Lehrmedizin. Johannes Pistorius wurde Leibarzt der Markgrafen von Baden und Hachberg, studierte später noch Theologie und führte im Badischen die Gegenreformation durch. Er wurde badischer, österreichischer und bayrischer Rat, Beichtvater Kaiser Rudolph II. , Generalvikar, Domkapitular und zuletzt auch noch Dompropst von Breslau. Noch heute belegen Briefwechsel zwischen Johannes Kepler, dem jungen Hofmathematiker und Astronom Kaiser Rudolph II. , und Johannes Pistorius Niddanus deren tiefe Freundschaft und die naturwissenschaftliche Kompetenz des Niddaer Pfarrersohnes.

Die Doktores Johannes Pistorius Niddanus, Vater und Sohn, so darf man getrost behaupten, waren die größten Söhne unserer Stadt, deren Humanismus (beide haben sich engagiert gegen Hexenprozesse und Judenverfolgung eingesetzt), deren Intelligenz und Toleranz auch heute noch als beispielhaft gelten dürfen.

Durch die frühe Reformation verloren die Johanniter und ihre ehemals große Klosteranlage mit Lateinschule am Beundehang (berühmteste Schüler: Dr. Pistorius und auch Erasmus Alberus, Theologe, Fabeldichter, Weggefährte Luthers und Melanchthons) in Nidda immer mehr an Bedeutung. Sie büßten die Altargefälle und einige Güter ein, so dass das Jahr 1585 das Ende der Johanniter in Nidda brachte. Sämtliche Gebäude der ehemals bedeutenden Johanniterkommende verfielen bis auf den Turm, nicht zuletzt durch die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges, der in Nidda zwar anfangs nur Fernwirkung hatte, jedoch im Jahre 1622 durch die durchziehenden Horden des „Tollen Christian“, Herzog von Braunschweig, große Schäden anrichtete. Misshandlungen und Brände, Plünderungen und Viehdiebstähle setzten der Stadt Nidda und ihrer Umgebung schwer zu. Die Jahre 1633 – 35 brachten eine Pest mit Tausenden Toten (1.803) lt. Kirchenbuch von 1635 . Die Zahl dürfte jedoch noch stark untertrieben sein, wenn man Berichte von z. B. Ranstadt hinzuzieht, die weit mehr in Nidda verstorbene Pestopfer angeben. Es gab schlechte Ernten und Hungersnot, die Wetterau wurde heimgesucht von Truppen der protestantischen und katholischen Seite, die plündernd und mordend die Dörfer durchzogen und niemanden schonten. In Nidda mussten aus 70 umliegenden Siedlungen Tausende von Flüchtlingen aufgenommen werden. Not und Elend waren groß. Noch im Jahre 1648 wurde die Johanniterkirche durch Schweden und Bayern schwer beschädigt. Lt. Eintrag im Rügebuch vom 5.3.1652 lagen bis dahin noch schwedische Soldaten in Nidda. Stadtmauer, beide Tore, viele Häuser, Wege und Stege hatten schwer gelitten, die Stadt war verarmt und musste beim Landesvater Georg II. um finanzielle Hilfe nachsuchen, die auch gewährt wurde.

Als Ludwig XIV. von Frankreich 1688 dem deutschen Reich den Krieg erklärte, begab sich der Darmstädter Hof mehrfach auf der Flucht vor den Franzosen nach Nidda. Indes rückten diese immer näher, breiteten sich in der Wetterau aus und waren auch in Nidda und Umgebung „ungebetene und lästige Gäste“. Auch im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) und später im Jahr 1796 hatte die Stadt Schweres zu erdulden, wie aus einem Bericht des Amtmannes Hofmann zu Nidda vom 14.6.1796 zu entnehmen ist: „den Durchmarsch der französischen Armee unter dem Commando des Obergenerals Jourdan und des Divisionsgenerals Le Fevre durch dieses Amt und deren unmenschliche Greuelthaten betreffend.“

Weitere wichtige Daten in der Stadtgeschichte sind die Jahre 1870, Bau der Eisenbahnlinie Gießen – Gelnhausen, die Nidda einen Bahnhof brachte, 1888 Bau der Eisenbahnlinie Nidda – Schotten (stillgelegt 1959) und 1897 der Bau der Bahnlinie Nidda – Friedberg.

1806 wurde Hessen Großherzogtum. Der erste Großherzog Ludwig I. führte eine sogenannte Gebietsreform durch, so dass Nidda 1821 Landratsbezirk mit den Landgerichtsbezirken Nidda und Ortenberg wurde. Der Sitz des Landratsamtes befand sich im Schloss. Im Jahre 1832 gab es eine weitere Verwaltungsreform. Die Landratsbezirke Nidda und Schotten mit den darin befindlichen Landgerichtsbezirken wurden aufgelöst und zum Kreis Nidda vereinigt. 1848 wurden die Kreise aufgelöst und Regierungsbezirke gebildet. Nidda wurde Sitz eines solchen Regierungsbezirkes mit Verwaltung im Niddaer Schloss. Dem Bezirk gehörten die Landgerichtsbezirke Nidda, Büdingen, Schotten, Ortenberg und Ulrichstein an und er umfasste 116 Gemeinden mit ca. 63.000 Einwohnern, darunter lt. Liste von 1848 auch 2.000 jüdische Bürger. Vier Jahre später 1852 erfolgte eine erneute Regionalreform, um mehr Bürgernähe herzustellen. Der Kreis Nidda umfasste die Landgerichtsbezirke Nidda und Ortenberg. Nach nur 22 Jahren, also 1874 wurde der Kreis Nidda, sehr zum Bedauern der Bevölkerung, wieder aufgelöst und den Kreisen Büdingen und Schotten zugeteilt.

Stadtplan Nidda

Stadt-Info

Bis 1972 gehörte die Stadt Nidda zum Kreis Büdingen, bis dann die vorerst letzte Gebietsreform die Kreise Büdingen und Friedberg zum Wetteraukreis mit Sitz Friedberg als neuer Kreisstadt zusammenlegte.

Am 1.12.1970 wurde die Großgemeinde Nidda gegründet, bestehend aus der Kernstadt und 17 weiteren Stadtteilen. Heute hat die Stadt ca. 19.300 Einwohner, ist ein kleines, modernes Mittelzentrum mit Handel und Gewerbe, wichtiger Schulstandort, bietet viel Lebens- und Wohnqualität mit regem Vereinsleben, Sport- und Freizeiteinrichtungen und diversen kulturellen Veranstaltungen.

Rege Kontakte werden zu insgesamt 4 Partnerstädten gepflegt. Es sind dies: Crest sur Drôme - Frankreich, Cromer – England, Weißenstein – Österreich und Bad Kösen in Sachsen - Anhalt.

Die „Perle der Stadt Nidda“ ist ihr Stadtteil Bad Salzhausen. Im hessischen Staatsbad findet der Gast Ruhe und Erholung. Es stehen ca. 1.200 Gästebetten meist ganzjährig zur Verfügung, Kulturveranstaltungen von Kurmusik bis Dichterlesungen bieten kurzweilige Unterhaltung.

Nidda liegt an der „Apfelwein- und Obstwiesenroute durch den Wetteraukreis“ und bietet dem Wanderer oder Radfahrer mit über 20 Mitgliedsbetrieben allein in unserem Stadtgebiet (insgesamt im Wetteraukreis ca. 170 Mitgliedsbetriebe, Vereinen und Institutionen) neben intakter Natur mit Streuobstbeständen, Wald und Wiesen, gepflegte heimische Küche, Apfelsaft und -wein aus unserer Region. Der Hessische Fernradweg R 4 führt aus dem Rhein-Main-Gebiet entlang der Nidda durch unser Stadtgebiet über den Vogelsberg und hat Anschluss an den „Vulkanradweg“. Der R4 hat eine Gesamtlänge von 370 km (von Karlshafen bis in den Odenwald) und ist thematisiert unter dem Titel „Von Dornröschen zu den Nibelungen“. Im gesamten Stadtgebiet stehen über 100 km gepflegte Wander- und Radwanderwege zur Verfügung. Entsprechendes Kartenmaterial zum Thema „Wandern und Radwandern“ senden wir Ihnen gegen Rechnung gern zu.

Dem Gast wünschen wir einen angenehmen Aufenthalt. Bummeln Sie mit wachen Augen durch unser Städtchen. Sie werden sicher viel Schönes entdecken. Mit diesem Leitfaden zu unserer langen Tradition und zu unseren Kulturdenkmälern werden Sie sicher Zugang zu uns „Niddaer Froisteckern“ (für Nichthessen: Frühstücker – wegen unserer Traditionsmärkte mit Marktfrühstück) finden und gerne wiederkommen.

 

Geographische Lage:
Nidda liegt am Fluss gleichen Namens in einer Höhenlage von 130 – 190 m ü. NN, 50 km zur südwestlich gelegenen Großstadt Frankfurt, 35 km zur Universitätsstadt Gießen, zwischen der fruchtbaren Wetterau und dem aus Basaltgestein bestehenden Vogelsberg, dem größten erloschenen Vulkans Europas.

Einwohnerzahl:
Seit 1970 besteht die Stadt Nidda mit heute ca. 19.300 Einwohnern aus der Kernstadt und 17 Stadtteilen.

Stadtteile:
Kernstadt Nidda, Bad Salzhausen, Borsdorf, Eichelsdorf, Fauerbach, Geiß-Nidda, Harb, Kohden, Michelnau, Ober-Lais, Ober-Schmitten, Ober-Widdersheim, Schwickartshausen, Stornfels, Ulfa, Unter-Schmitten, Unter-Widdersheim, Wallernhausen.

Verkehrsanbindungen:
Eisenbahnlinien: Giessen – Gelnhausen     u.      Nidda – Friedberg
Buslinien: Schotten – Nidda – Friedberg   u.  Giessen – Gelnhausen
Verkehrsbetriebe Nidda: Buslinien 18, 21, 27, 34 u. 37
Autobahn A 5 Giessen – Hanau, Abfahrten Wölfersheim u. Florstadt, B 457 und B 455

 

Mit freundlicher Empfehlung zusammengestellt von
Kur-und Touristik Info der Stadt Nidda in Bad Salzhausen,
Iris Pfnorr,
Quellenstr.2

63667 Nidda Bad Salzhausen
Ruf-Nr. 06043/96 33-0

Auskunft ebenfalls bei
Stadtverwaltung Nidda, Schlossgasse 34, 63667 Nidda
Tel.: 06043/ 8006-0  Fax: 06043/ 8006113
eMail: info@nidda.de

Homepage: http://www.nidda.de                 

Quellen: NIDDA – Die Geschichte einer Stadt und Ihres Umlandes
Hrsg. Prof. Dr. Ottfried Dascher, Nidda 1992

1025 Jahre NIDDA – Die Geschichte einer alten liebenswerten Stadt

Hrsg. Stadt Nidda, Text Stadtarchivar Wilhelm Wagner 1976

 NIDDAER GESCHICHTSBLÄTTER Band I – III 1993,94,95

 Hrsg. Verein Niddaer Heimatmuseum

 

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